Monatsbetrachtung November
Autor: Robert Hertscheg
Mögliche Ursachen für Völkerverluste im Herbst:
- Varroa inkl. ABP-/CBP-Virus
- Königinnen, deren Herkunft und/oder Alter nicht bekannt sind
- Betriebssystem
Die Varroamilbe kann wohl als hauptsächliche Verursacherin bzgl. Völkerverluste im Herbst genannt werden. Entscheidend hiefür ist die vorangegangenene Winterbehandlung. Ich rate zu 2 Behandlungen in der brutfreien Zeit: 1x im Dezember und 1x im Jänner, Oxalsäure-Verdampfung von unten, ausschließlich mit ca. 160 Grad Celsius Glühkerze (nicht durchs Flugloch, auch nicht durch andere „Löcher“, auch nicht mittels Gaskartusche etc.).
Unsere reinrassige Carnica hat gegenüber Hybridbienen (vor allem sei hier die Buckfast genannt) den Vorteil, in den Wintermonaten nicht zu brüten. Hybriden brüten in der Regel den Winter hindurch (besonders im „milden Winter“, auf geringem Niveau). Das macht eine Varroareduktion beinahe unmöglich.
Faustregel: Mit weniger als 5 Milben in das Frühjahr starten. Bei 5 Milben und mehr im Frühjahr ist die Varroa-Schadschwelle spätenstens Mitte August überschritten! 1 Milbe im Frühjahr bedeuten ca. 700 Milben in ca. 7 Brutperioden bis Mitte August!
Nach der Honigernte (je früher desto besser) muss zwingend sofort behandelt werden (am nächsten Tag!). Nach meiner Erfahrung eignet sich dafür am besten eine 4×3 Blockbehand-lung mit Oxalsäure-Verdampfung von unten. D.h.: 4x behandeln im Abstand von 3 Tagen. Mit dieser Methode erwischt man nicht nur Milben auf adulten Bienen – man erwischt auch die Milben, welche sich um diese Zeit in großer Zahl in der verdeckelten Brut befinden (9 Tage offene Brut + (4 x 3) Tage = 12 Tage für verdeckelte Brut = 21 Tage = ca. 1 Brutperiode).
Wichtig: Die Stockwindel kommt gleich nach dem Abschleudern zum Einsatz und bleibt bis nach der 2. Winterbehandlung im Volk! Einerseits um die Kontamination der Milben bzw. den Behandlungserfolg einzuschätzen und anderseits, um auf Basis des natürlichen Varroatotenfalls den weiteren Verlauf der Milbenpopulationsenwicklung zu beobachten.
Faustregel: 3 oder mehr Milben als natürlicher Totenfall bis ca. Mitte Mai, 5 oder mehr Milben bis ca. Mitte August sind ein ziemlich sicherer Indikator dafür, dass eine weitere Behandlung notwendig ist!
Ermittlung des täglichen natürlichen Totenfalls der Milbe: Die Windel wird gereinigt und eine Woche im Volk belassen (= 7 Tage). Anschließend werden die abgefallenen Milben ausgezählt und durch die Anzahl der Tage dividiert. Beispiel: Fallen 20 Milben in einer Woche dividiert durch 7 Tage ergibt ca. 3 Milben im pro Tag.
Die Kontrolle mittels natürlichem Totenfall der Milben ist auch deshalb weiterhin notwendig, da eine Reinvasion der Milben durch Räuberei etc. um diese Zeit erfolgen kann. Wildlebende Bienenschwärme vom Frühjahr werden meistens im Herbst durch unsere Bienen beraubt; eine Reinvasion der Milben in unsere behandelten Völker ist somit logische Folge!
In den letzten Jahren ist auch bei uns um diese Zeit ein verstärktes Aufkommen von Virenkrankheiten festzustellen. Es handelt sich dabei zumeist um ABP- bzw. CBP-Viren. Diese Viren treten häufig in Kombination mit erhöhtem Varroadruck auf. Behandlungsmethoden gegen diese Viren sind mir nicht bekannt. Auf Grund der Kurzlebigkeit von adulten Bienen in Folge dieser Virenkrankeit sterben betroffene Völker in kurzer Zeit ab.
Wer Königinnen nicht kennzeichnet, hat keineswegs einen Überblick über deren Vitalität und künftigen Leistungsfähigkeit!
Fehler im Betriebssystem: keine bzw. unzureichende Winterbehandlung, kein Einsatz von Stockwindeln als Diagnoseinstrument, falsche/unzureichende/verspätete Behandlung der Milben im Rahmen der Sommerbehandlung.
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Klarstellung vom 20.01.2026: Wir wurden darauf hingewiesen, dass es in unserer Gegend auch Buckfast-Völker gibt, die im Herbst eine Brutpause einlegen und brutfrei sind. Die im Artikel getätigte Aussage, dass Hybridbienen in der Regel den Winter hindurchbrüten, muss daher relativiert oder gestrichen werden. Da es nicht „die Buckfast-Biene” gibt, sondern aus Kombinationszuchten stammende Buckfast-Linien, muss diese Aussage, sofern sie gültig ist, auf bestimmte Einkreuzungen beschränkt werden. Bisher standen Einkreuzungen der Apis mellifera ligustica (Italienische Biene) im Verdacht, bei uns im Winter durchzubrüten. Dies können aber nur Bienenhalter der Apis mellifera ligustica oder darauf aufbauender Buckfast-Linien beurteilen. Da der Klimawandel unsere Jahreszeiten jedoch massiv verändert, wird es ohnedies immer unsicherer, wie die Bienen ihre Bruttätigkeit im Jahresablauf steuern.