Eine tolle Honigernte im Jahr 2026, jedoch gemischte Gefühle
Autor: Bernd Meierhofer
Die Salzburger Imkerinnen und Imker freuen sich über eine sehr gute Honigernte 2026
Die Salzburger Imkerinnen und Imker dürfen sich 2026 über eine sehr gute Honigernte freuen. Dies geht auch aus dem ORF-Bericht vom 23. August 2026 (https://salzburg.orf.at/stories/3368087/) hervor, für den der Obmann des Salzburger Landesverbandes, Andreas Brieger, und die Mitarbeiter des Salzburger Imkerhofs zur Honigsaison 2026 interviewt wurden.
Während der wichtigen Blühzeiten im Frühjahr blieben Kälteeinbrüche und längere Schlechtwetterphasen aus. Dadurch konnten die Bienen die zahlreichen Trachtquellen gut nutzen und fanden über einen längeren Zeitraum ein ausreichendes Nahrungsangebot vor. Dies führte zu größeren Honigmengen und zu Honig von meist ausgezeichneter Qualität. Der Wassergehalt der Honige, der oftmals problematisch sein kann, lag dieses Jahr meist im Sollbereich. Auch Melezitosehonig war dieses Jahr nicht im ganzen Bundesland, sondern nur an einzelnen Standorten und in einzelnen Gebieten ein Problem.
Geht man davon aus, dass mit der Sommersonnenwende das alte Bienenjahr endet und gleichzeitig das neue beginnt, heißt es nach der erfreulichen Honigernte nun allerdings abzuwarten, was das restliche Bienenjahr noch bringen wird. Denn insbesondere die außergewöhnliche Hitze und Trockenheit dieses Sommers stellen die Bienenvölker vor neue Herausforderungen.
Hitze und Trockenheit beeinflussen die Varroamilbe
Bemerkenswert sind die Beobachtungen zur Varroamilbe. Einige Imker berichten heuer von einem außergewöhnlich geringen natürlichen Milbenabfall. Ob die extreme Hitze den Milben direkt geschadet hat oder ob die Bienen aufgrund der hohen Temperaturen ihre Bruttätigkeit reduziert und dadurch die Vermehrung der Varroamilbe eingeschränkt haben, lässt sich derzeit nicht eindeutig sagen. Wahrscheinlich ist es eine Kombination beider Faktoren.
Auch die Winterverluste bei den Bienenvölkern im Winter 2025/26 waren mit 10% – die Varroamilbe wird hier meist als Hauptursache genannt – außergewöhnlich gering.
Für diesen Einfluss auf die Varroa sprechen auch Beobachtungen aus der Praxis: Teilweise wurden die in Bannwaben eingehängten Mittelwände während der Hitzeperiode nicht mehr vollständig ausgebaut oder anschließend nicht mehr vollständig bebrütet. Eine geringere Brutmenge bedeutet gleichzeitig weniger Vermehrungsmöglichkeiten für die Varroamilbe.
Trotz dieser erfreulichen Beobachtungen darf daraus allerdings nicht geschlossen werden, dass die Varroabelastung in den Völkern dauerhaft gering bleibt. Eine sorgfältige Kontrolle und gegebenenfalls notwendige Behandlung der Völker bleiben daher weiterhin unerlässlich.
Hoher Futterverbrauch durch die Hitze
Weniger erfreulich dürfte sich die extreme Witterung auf den Futterhaushalt ausgewirkt haben. Einige Imker berichten, dass von der eingebrachten Futtermenge überraschend wenig eingelagert wurde. Die Bienen dürften während der heißen und trockenen Perioden einen erheblichen Teil des Futters selbst verbraucht haben.
Wie stark sich solche durch den Klimawandel hervorgerufenen Veränderungen langfristig auf unsere Bienenvölker auswirken werden, ist derzeit nur schwer abzuschätzen. Fest steht jedoch, dass die Bienen nicht nur mit Kälte, sondern zunehmend auch mit extremen Hitzeperioden zurechtkommen müssen.
Brutnesttemperatur als Herausforderung
Imkerinnen und Imker, die einen Brutnestsensor einsetzen, werden möglicherweise bereits beobachtet haben, wie schwierig es für die Bienen an extrem heißen Tagen wird, die Temperatur im Brutnest konstant zu halten. Normalerweise liegt die Brutnesttemperatur erstaunlich stabil bei etwa 34 °C. Während ausgeprägter Hitzeperioden kann es jedoch zu deutlichen Schwankungen kommen.
Das Kühlen des Bienenstocks stellt für die Bienen eine größere Herausforderung dar als das Erwärmen. Sie müssen Wasser eintragen, durch Verdunstungskühlung Wärme abführen und gleichzeitig für eine ausreichende Belüftung sorgen. Bei anhaltend hohen Außentemperaturen steigt damit auch der Energie- und Arbeitsaufwand für das Volk.
Vorbereitung auf häufiger werdende Hitzeperioden
Imkerinnen und Imker sollten sich daher darauf einstellen, dass außergewöhnlich heiße und trockene Sommer in Zukunft häufiger auftreten können. Maßnahmen zum Schutz der Bienenvölker vor Hitze werden zunehmend wichtiger.
Dazu gehören insbesondere eine gute Isolierung der Bienenbeuten gegen starke Sonneneinstrahlung – etwa durch eine entsprechende Dämmung –, die Beschattung der Bienenstände und eine ausreichende Wasserversorgung. Pflanzen und natürliche Schattenspender in der Nähe der Beuten können dabei ebenso hilfreich sein wie zuverlässig angenommene Bienentränken.
Klimawandel verändert auch den Wald – und damit unsere Honigtracht
Nicht nur die Imkerei, sondern auch die Forstwirtschaft muss sich auf die kommenden Klimaveränderungen einstellen. Bereits heute wird intensiv nach Baumarten gesucht, die mit den künftig zu erwartenden höheren Temperaturen, längeren Trockenperioden und veränderten Niederschlagsbedingungen besser zurechtkommen. Eine klimaangepasste Waldbewirtschaftung wird das Erscheinungsbild unserer Wälder langfristig verändern – und damit zwangsläufig auch die Trachtbedingungen für unsere Bienen.
Das ist für Salzburg von besonderer Bedeutung, weil ein großer Teil des hier erzeugten Honigs Waldhonig ist. Verändert sich der Wald, verändern sich daher auch die Grundlagen unserer Imkerei. Es ist davon auszugehen, dass die klassische Honigtautracht der Nadelhölzer langfristig teilweise durch Blatthonige ergänzt oder abgelöst werden könnte. Auch bei den Honigtauerzeugern sind Veränderungen zu erwarten: Altbekannte Arten könnten an Bedeutung verlieren, während andere Lecanien- und Lachnidenarten unter den veränderten klimatischen Bedingungen stärker in Erscheinung treten.
Was heute noch wie eine Entwicklung der Zukunft klingt, lässt sich teilweise bereits beobachten. Das vermehrte Auftreten von Melezitosehonig kann als ein Anzeichen dafür gesehen werden, dass sich die Zusammensetzung und Dynamik unserer Waldtrachten bereits verändert. Für die Imkerei bedeutet dies, dass wir uns nicht nur auf veränderte Wetterbedingungen, sondern auch auf eine langfristige Veränderung unserer wichtigsten Trachtlandschaften einstellen müssen.
Imkerei als Teil unserer Landwirtschaft
Bei aller Freude über die heuer außergewöhnlich gute Honigernte darf nicht vergessen werden, dass die Imkerei ein integraler Bestandteil unserer Landwirtschaft ist. Deshalb leiden wir mit unseren bäuerlichen Kolleginnen und Kollegen mit, die aufgrund der anhaltenden Trockenheit und Dürre massive Ernteverluste hinnehmen müssen. Manche Betriebe stehen vor der schwierigen Entscheidung, Tiere verkaufen zu müssen, weil das benötigte Futter fehlt. Andere sehen sich sogar gezwungen, ihren landwirtschaftlichen Betrieb zur Gänze aufzugeben. Die Auswirkungen der Dürre auf den Wald sind vermutlich noch nicht vollständig bekannt.
Dass die Imkerei in diesem Jahr von den Witterungsbedingungen vielerorts außerordentlich profitiert hat, ist daher auch ein gewisses Paradoxon. Während andere Bereiche der Landwirtschaft mit teils existenzbedrohenden Folgen der Dürre kämpfen, können wir auf eine sehr gute Honigernte zurückblicken. Diese besondere Situation sollte uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Folgen der diesjährigen Hitzewelle für unsere Bienenvölker noch nicht vollständig absehbar sind. Es ist durchaus damit zu rechnen, dass sich Belastungen erst in den kommenden Monaten zeigen und sich die Auswirkungen auf die Volksentwicklung oder die Überwinterung bemerkbar machen. Es ist auch damit zu rechnen, dass der für die Bienenfütterung benötigte Zucker im kommenden Jahr schwieriger zu beschaffen und teurer wird. Dies gilt insbesondere, wenn Imkerinnen und Imker auf regionale Produkte, wie österreichischen Rübenzucker in Bio-Qualität, setzen.
Auch für die Zukunft wird die Imkerei durch den Klimawandel vermutlich unberechenbarer werden. Wetterextreme können Ernteergebnisse von Jahr zu Jahr stärker beeinflussen und sowohl für die Bienenhaltung als auch für die gesamte Landwirtschaft neue Herausforderungen mit sich bringen.
Regionale Lebensmittelversorgung bewusst schätzen
Umso wichtiger ist es, dass wir uns wieder stärker des Wertes unserer regionalen Lebensmittelversorgung bewusst werden. Eine funktionierende regionale Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ist keine Selbstverständlichkeit. Sie verdient unsere Wertschätzung und unsere bestmögliche Unterstützung.
Jede und jeder Konsument kann dazu einen Beitrag leisten, indem bewusst zu regionalen und heimischen Lebensmitteln gegriffen und damit jene Menschen unterstützt werden, die unsere Lebensmittel unter zunehmend schwierigen Bedingungen produzieren. Gerade in Zeiten, in denen die Auswirkungen des Klimawandels immer deutlicher spürbar werden, sollten wir die Bedeutung einer vielfältigen und regional verankerten Landwirtschaft wertschätzen.
Das Bienenjahr 2026 zeigt damit einmal mehr die große Anpassungsfähigkeit der Honigbiene, aber auch die Herausforderungen, die der Klimawandel auch für unsere Bienenvölker mit sich bringt.
Die sehr gute Honigernte ist in jedem Fall ein erfreulicher Anlass und ein Grund zur Dankbarkeit. Gleichzeitig gilt es, die Entwicklung der Völker in den kommenden Monaten aufmerksam zu beobachten und aus den Erfahrungen dieses außergewöhnlichen Jahres für die Zukunft zu lernen.









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