Autoren: Elisabeth Karl, Bernd Meierhofer

Am 9. Oktober 2025 fand im Kolpinghaus Salzburg die Fachtagung des Salzburger Naturschutzbundes zum Thema Anlage und Pflege von Blühflächen statt. Zahlreiche Interessierte aus den Bereichen Naturschutz, Landwirtschaft und Imkerei nahmen an der Veranstaltung teil.

Im Mittelpunkt standen Fachvorträge renommierter Expertinnen und Experten, die unterschiedliche Perspektiven auf das Thema Blühflächen aufzeigten.

Die Veranstaltung wurde von der Biologin Ingrid Eichberger, M.SC geleitet und moderiert. Sie wird ab November 2025 die Geschäftsführung vom Salzburger Naturschutzbund übernehmen.

Das Potenzial von Blühflächen zur Steigerung von Vielfalt und Häufigkeit von Insekten

Univ.-Prof. Dr. Jan Christian Habel von der Universität Salzburg berichtete über das Potenzial von Blühflächen zur Steigerung der Vielfalt und Häufigkeit von Insekten. Er zeigte eindrücklich, wie alarmierend der Rückgang vieler Schmetterlingsarten in Salzburg bereits ist – so gilt beispielsweise der Alexis-Bläuling in der Region als ausgestorben.

Als Hauptursachen für diesen Artenschwund nannte Dr. Habel den Verlust geeigneter Lebensräume sowie die Degradierung der Lebensraumqualitäten.

Besonders betonte er, dass es dringend Schutzgebiete nicht nur in den unbebauten Bergregionen, sondern vor allem auch in den Tallagen brauche, wo Freiflächen zunehmend landwirtschaftlich intensiv genutzt oder für Bauprojekte beansprucht werden. Er hat zudem angemerkt, dass es auch in kleinen Naturschutzgebieten zu Artenschwund kommen kann. Hier spielt der Barriereeffekt eine wesentliche Rolle: Angrenzend an das Naturschutzgebiet herrschen dann keine optimalen Lebensbedingungen mehr, beispielsweise weil zu häufig gemäht wird.

Darüber hinaus sprach sich Dr. Habel für eine angepasste Bewirtschaftung aus: In den Sommermonaten werden derzeit bei günstigen Wetterbedingungen rund 80 % der Grünflächen in Salzburg innerhalb von zwei Wochen gemäht, was zu einem plötzlichen Verlust an Blühangeboten führt. Untersuchungen zeigten, dass die Artenvielfalt auf Blühflächen mit zunehmender Dauer steigt – daher sollten einmal angelegte Flächen langfristig erhalten bleiben. Er lobte in diesem Zusammenhang auch die Schmetterlingssammlung vom Salzburger Haus der Natur, die eine umfangreiche und bereits vollständig digitalisierte Sammlung darstellt und damit einen wertvollen Beitrag zur Forschung und Dokumentation der heimischen Artenvielfalt leistet.

Blühflächen-Anlagen aus der Sicht von Wildbienen: Was ist zu beachten?

Dr. Neumayer beleuchtete in seinem Vortrag die Bedeutung von Blühflächen aus Sicht der Wildbienen und zeigte auf, wie vielfältige und standortangepasste Pflanzungen zum Erhalt der heimischen Wildbienenarten beitragen bzw. zu einer neuerlichen Ansiedlung von bereits verschwundenen Arten führen können. Auch die Klimaveränderung wirkt sich auf Wildbienen aus. Einige Arten wie die blauschwarze Holzbiene profitieren von der Erwärmung, während andere wie die Alpen- oder die Samt-Hummel bedroht sind, weil sich ihr Lebensraum zu schnell erwärmt oder weil bestimmte Nahrungsangebote nicht mehr vorhanden sind.

Blühflächen-Anlagen aus der Sicht von Imkern

Zunächst entschuldigte unser Obmann Bernd Meierhofer bei seinem Vortrag Dipl.-Biol. Christian Steube, Laborleiter vom Imkerhof Salzburg, der gemeinsam mit ihm den Vortrag halten sollte, aber krankheitsbedingt leider ausgefallen ist.

Bernd Meierhofer zeigte in seinem Vortrag, dass auch die Imkerei vor großen Herausforderungen steht.

Der Klimawandel führt zu starken Veränderungen im phänologischen Jahreskreislauf, wodurch sich Blühzeiten und Trachtverläufe verschieben. Die Globalisierung bringt zudem neue Bienen-Schädlinge und invasive Pflanzenarten mit sich. Die heimische Flora wird zunehmend von Neophyten verdrängt. In unserer Region machen Blühflächen aber nur einen Teil der Bienennahrung aus. Honigbienen nutzen zusätzlich die Blüten von Obst- und Laubbäumen sowie den Honigtau von Baumläusen (insbesondere Lecanien und Lachniden) als wichtige Nahrungsquellen.

Auch wenn häufig von einer Konkurrenzsituation zwischen Wild- und Honigbienen die Rede ist, sollte beachtet werden, dass Honigbienen einerseits mit ihrer Bestäubungsleistung wesentlich zur Ernährungssicherheit beitragen, da sie als staatenbildende Insekten zur benötigten Zeit auch in großer Menge für eine ausreichende Bestäubung zur Verfügung stehen. Andererseits könnten sie auch als Indikatoren für Umweltprobleme eingesetzt werden. Durch ihre Bestäubung könnten Honigbienen die Ansiedlung von Pflanzen unterstützen und somit die Lebensgrundlage für andere Insekten schaffen. Man sollte daher stets das Verbindende über das Trennende stellen und davon ausgehen, dass eine optimale Bestäubung der Pflanzen nur durch die Zusammenarbeit von Wildbienen, Honigbienen und allen anderen Bestäuberinsekten erreicht wird.

Wildblumen aus der Packung: Gut gemeint, aber schlecht gemacht.

Dipl.-Ing. Günter Jaritz vom Land Salzburg ging in seinem Vortrag auf die Bedeutung von regionalem Saatgut ein. Das Land Salzburg sammelt bereits regionales Saatgut, das für verschiedene Renaturierungsprojekte im Bundesland eingesetzt wird. Zu diesem Zweck wurde eine Datenbank mit Spenderflächen aufgebaut, in der bereits 180 Spenderflächen von über 160 landwirtschaftlichen Betrieben erfasst sind. Das Saatgut wird in artenreichen Wiesen in sechs Regionen im Land Salzburg gesammelt und kann regional zur Neuanlage von artenreichen Wiesen und Blühflächen eingesetzt werden. Es trägt das Qualitätssiegel „Wild & Kultiviert“ (wildundkultiviert.at).

Herr Jaritz wies darauf hin, dass das von Biene Österreich empfohlene Gumpensteiner Herkunftszertifikat (G-Zert) für Saatgutmischungen zwar ein Schritt in die richtige Richtung sei, da es zumindest eine gesicherte Herkunft ausweist, doch sei regionales Saatgut aus ökologischer Sicht noch deutlich wertvoller.

Er betonte: „Eine Margarite im Salzburger Flachgau ist genetisch nicht mit einer Margarite im Salzburger Lungau vergleichbar.“

Diese Unterschiede zeigten sich auch im Wachstums- und Blühverhalten der Pflanzen, weshalb die Verwendung standorttypischer, regionaler Herkünfte beim Saatgut entscheidend für den Erfolg von Blühflächen sei.

Wie die Pflege von Blühflächen die Artenvielfalt beeinflusst

Der Botaniker Dr. Christian Eichberger widmete sich in seinem Vortrag den Mähtechniken und deren Auswirkungen auf die Wiesenbewohner. Er machte deutlich, dass die Art und Weise der Mahd einen entscheidenden Einfluss auf die Insektenvielfalt hat. Besonders kritisch bewertete er den Einsatz von Saugmähern, da eine angelegte Blühfläche so schnell zur Todesfalle für Insekten werden kann: Viele Tiere, die sich nach dem Abmähen noch in der Vegetation aufhalten, werden dabei einfach abgesaugt. Da sich im Mähgut von Verkehrsflächen häufig auch weggeworfener Müll befindet, wird dieses meist einfach zusammen mit dem Müll entsorgt. Interessant ist, dass der Balkenmäher am besten von allen Mähgeräten abschneidet, noch vor der Sense, da durch die Mähweise des Balkenmähers die meisten Lebewesen im Gras und im Boden überleben.

Aus Sicht von Herrn Eichberger ist die richtige Mähtechnik ein weiteres Rädchen, an dem gedreht werden kann, um die Artenvielfalt wieder zu erhöhen.

Anlegen naturnaher Blühflächen – Wie gelingt der Spagat zwischen Wildnis und Ästhetik?

Dr. Robert Siller, Garten- und Grünflächengestalter, sowie Dipl.-Ing. Lisa Fichtenbauer vom Salzburger Institut für Raumordnung und Planung GmbH (SIR) gingen in ihren Vorträgen auf die Gestaltung und richtige Anlage von Blühflächen ein. Sie zeigten auf, dass Blühflächen nicht nur ökologisch, sondern auch gestalterisch sorgfältig geplant werden müssen. Dabei wurde deutlich, dass in unserer Kulturlandschaft praktisch alle Flächen bewirtschaftet sind – und somit stets eine Frage der Wahrnehmung bleibt, was als naturfreundlich gestaltete Fläche oder als „Saustall“ gilt. Eine bewusste, naturnahe Gestaltung kann hier entscheidend dazu beitragen, Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen und den ökologischen Nutzen sichtbar zu machen. Für das langfristige Gelingen eines derartigen Projektes ist eine intensive Pflege im ersten Jahr entscheidend: Unerwünschte Samen- und Wurzelkräuter müssen entfernt oder zumindest kleingehalten werden. In den folgenden Jahren sollte nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden, am besten immer abschnittsweise mit Sense, Balkenmäher oder Motorsense.

Podiumsdiskussion und Fragerunde

In der abschließenden Podiumsdiskussion hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, Fragen an die Vortragenden zu stellen und offene Themen zu vertiefen. Dr. Neumayer regte dabei an, bei der Neuanlage von Blühflächen zunächst eine gezielte Bewertung der bestehenden Flächen vorzunehmen und nur dann aktiv einzugreifen, wenn dies wirklich notwendig ist. Häufig, so Neumayer, müsse man Flächen einfach „in Ruhe lassen“, damit sich diese von selbst zu wertvollen, naturfreundlichen Blühflächen entwickeln können. Bei exzessiv verwendeten Flächen gelingt das allerdings nicht mehr, da der Boden zu stark belastet ist (zu viel Stickstoff im Boden). Dann wächst nur noch Gras.

Aus dem Publikum kam der kritische Kommentar, dass es sich bei den im Rahmen von „Natur in den Gemeinden” gezeigten Flächen meist um Straßenränder oder Verkehrsinseln handele und es dann Anschein hat, dass die einzelnen Gemeinden bereits mit dem Kreisverkehr bei der Ortseinfahrt die Einhaltung ihrer Öko-Ziele unter Beweis stellen wollen. Für den Erhalt der Artenvielfalt gilt sicherlich, dass das Hauptaugenmerk weiterhin auf die landwirtschaftlichen ÖPUL-Flächen (Österreichisches Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft) gelegt werden muss.

Danksagung

Die Tagung bot eine wertvolle Plattform für den fachlichen Austausch und machte deutlich, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Naturschutz und Landwirtschaft (Imkerei als integraler Bestandteil der Landwirtschaft) ist, um die Biodiversität nachhaltig zu fördern und die Lebensgrundlagen bestäubender Insekten zu sichern.
An dieser Stelle möchten wir uns sehr herzlich beim Salzburger Naturschutzbund für die Einladung und die offene Diskussion bedanken. Dadurch wurde es uns ermöglicht, auch die Perspektive der Imker einzubringen. Unser Dank gilt auch Ingrid Eichberger für die gelungene Moderation der Veranstaltung.

Wir freuen uns, dass wir als Imkerverein Salzburg Aigen Partner des Salzburger Naturschutzbundes sind, und freuen uns auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit!

Weiterführende Links

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert