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Bienengesundheit und Pflanzeninhaltsstoffe in Zeiten des Klimawandels

Vortrag von Dr. Bannert am 20.3.2026 im Bürgerbräu Bad Reichenhall

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Open image in lightbox: Vortrag von Dr. Michael Bannert über Bienengesundheit und Pflanzeninhaltsstoffe Open image in lightbox: Vortrag von Dr. Michael Bannert über Bienengesundheit und Pflanzeninhaltsstoffe
Open image in lightbox: Unsere Bestäuberinsekten brauchen mehr Pflanzenvielfalt Open image in lightbox: Unsere Bestäuberinsekten brauchen mehr Pflanzenvielfalt
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Autor: Bernd Meierhofer

Am 20. März 2026 veranstaltete der Imkerverein Bad Reichenhall & Umgebung einen äußerst informativen und gut besuchten Vortrag im Bürgerbräu Bad Reichenhall. Referent des Abends war Dr. Michael Bannert, der Pflanzenwissenschaften und Gartenbau studiert hat und im Schönrämer Filz, einem Moorgebiet nahe dem Waginger See, die Beerenobstplantage „Schönramer Beeren“ mit Heidelbeeren, Aroniabeeren und Cranberries betreibt.

Graviernde Veränderungen in der Natur

Zu Beginn seines Vortrags verdeutlichte Dr. Bannert eindrucksvoll die Auswirkungen des Klimawandels auf Pflanzen und Bestäuberinsekten. Steigende Temperaturen und eine zunehmende Anzahl an Hitzetagen führen dazu, dass Pflanzen weniger Nektar und Pollen produzieren. Dies hat zur Folge, dass sie schlechter bestäubt werden und weniger Früchte ausbilden. Gleichzeitig bedeutet dies für die Bestäuberinsekten ein reduziertes Nahrungsangebot, geringere Brutentwicklung und eine erhöhte Sterblichkeit.
Extremere Wetterlagen und Verschiebungen im phänologischen Kalender führen dazu, dass Frostnächte vermehrt in die Blühphasen von Obstbäumen und -sträuchern fallen. Dieser sogenannte Blütenfrost schädigt die Blüten, sodass sie keinen Nektar und Pollen mehr liefern können.
Viele glauben immer noch, dass eine Erwärmung um ein oder zwei Grad unbedeutend ist, und manche freuen sich sogar über zusätzliche Wärmetage. Die Auswirkungen sind jedoch besorgniserregend, da sie unsere Ernährungssicherheit bedrohen.

Die aktuellen Entwicklungen spiegeln sich auch in den Bienen-Völkerverlusten wider: In den Jahren 2024/25 verzeichneten Berufsimker in Deutschland Verluste von 20–30 %, in den USA sogar bis zu 62 %. Neben dem Klimawandel stellt auch die Globalisierung eine Herausforderung dar, da sie die Verbreitung neuer Pathogene begünstigt. Insbesondere Bienenviren nehmen zunehmend eine bedeutende Rolle ein.

Je höher die Pflanzenvielfalt, desto gesünder unsere Bienen

Ein zentrales Thema des Vortrags war die Bedeutung der Pflanzenvielfalt für die Bienengesundheit. Vielfältige Pflanzen liefern unterschiedliche Inhaltsstoffe, die das Immunsystem der Bienen stärken können. In urbanen Räumen stellen Kleingartenanlagen mit ihrem reichen Blütenangebot oft die letzten Rückzugsorte für eine solche Vielfalt dar. Als visionäres Beispiel zeigte Dr. Bannert den „Bosco Verticale“ in Mailand – einen „vertikalen Wald“, der als möglicher Ansatz für zukünftige Stadtbegrünung dienen kann.

Im weiteren Verlauf präsentierte Dr. Bannert zahlreiche Beispiele für die Wirkung von Pflanzeninhaltsstoffen auf Bienen. So ist etwa das in der Mandelblüte enthaltene Amygdalin in größeren Mengen toxisch für Bienen, was unter anderem die hohen Völkerverluste während der Mandelblüte in den USA erklären könnte. Demgegenüber wirkt das häufig in Pollen, Nektar und Propolis vorkommende Flavonoid Quercetin grundsätzlich positiv auf die Bienengesundheit. Allerdings zeigte sich in Fütterungsversuchen, dass eine Überdosierung negative Effekte haben kann, etwa eine Beeinträchtigung der Pheromone der Königin und eine erhöhte Aggressivität der Arbeiterinnen, was bis zum stillen Umweiseln führen kann.

Interessant war auch, welche Strategien Pflanzen gegen Pollenraub (Pflanzen benötigen Blütenstetigkeit der Bestäuber) entwickeln, das Pilzsporen auch als Pollenersatz fungieren können und für Melezitosehonig nicht immer nur die große, schwarze Fichtenrindenlaus verantwortlich gemacht werden kann, sondern auch Hefen und Bakterien.

Auch Koffein wurde als interessanter Pflanzeninhaltsstoff vorgestellt: Es stimuliert das Nervensystem der Bienen und verbessert das Lern- und Erinnerungsvermögen der Sammlerinnen. Vorkommen findet man beispielsweise in der Silphie (Korbblütler, welcher bei uns als Futter- und Silagepflanze angebaut wird) sowie in der Silberlinde. Darüber hinaus wurden weitere Pflanzen und deren Inhaltsstoffe thematisiert, auch im Hinblick auf ihre Wirkung gegen die Varroa-Milbe. So kann etwa der Anbau von Sonnenblumen in der Nähe von Bienenständen den Varroabefall reduzieren und auch der Duftstoff Linalool, der im Springkraut vorkommt, zeigt entsprechende Effekte.

Resümee

Insgesamt bot der Vortrag spannende und teils überraschende Einblicke in das komplexe Zusammenspiel zwischen Pflanzen und Bienen. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und regte zum Nachdenken sowie zum fachlichen Austausch an. Wir müssen uns jedenfalls dafür einsetzen, dass unsere Bestäuberinsekten trotz der Auswirkungen des Klimawandels wieder eine ausreichende Pflanzenvielfalt vorfinden.

Als Imkerverein Salzburg Aigen würde es uns jedenfalls sehr freuen, wenn wir Hrn. Dr. Bannert auch für einen Vortrag bei uns in Salzburg gewinnen könnten. Ebenso würden wir uns auch über Besuch der Imkerkolleginnen und -kollegen vom Imkerverein Bad Reichenhall & Umgebung freuen. Sie sind herzlich zu unseren Stammtischen eingeladen. Es wäre schön, wenn wir den imkerlichen Austausch auch über die Landesgrenzen hinweg forcieren könnten.

Update vom 24.3.2026: Dr. Bannert hat unsere Einladung angenommen und wird seinen Vortrag bei unserem Stammtisch am 2. Juni 2026 auch dem österreichischen bzw. Salzburger Publikum präsentieren. Wir freuen uns darauf!

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