Zu Besuch am Hof von Familie Dörner in Eugendorf
Brigitte Dörner – Bio-Blumenbäuerin und Biodiversitätsbotschafterin 2025
Autorinnen: Adelheid Speyer, Elisabeth Karl
Die Dörners
Am Dienstag, dem 1. Juli 2025, besuchten einige Mitglieder unseres Vereins am Nachmittag die Bio-Blumenbäuerin Brigitte Dörner in Eugendorf, Ederweg 3.
An diesem heißen Tag begrüßte uns Brigitte im angenehm kühlen ehemaligen Kuhstall, in dem sich heute ihr Verkaufsraum mit selbst gebundenen Sträußen, Töpferwaren und vielen anderen liebevollen Details befindet.
Aufgewachsen auf einem Bio-Bauernhof in Eugendorf liebte sie schon als Kind Blumen, besonders die im Bauerngarten ihrer Großmutter, die sie gemeinsam mit ihr pflückte. Nach 15 Jahren in der Privatwirtschaft und dem Studium von Agrar- und Umweltwissenschaften begann sie 2018, auf dem ererbten Hof ihres Mannes Marcus (Obmann des Imkervereins Eugendorf) ihre Ideen in die Tat umzusetzen.
Bevor Brigitte und ihr Mann den Hof revitalisierten, waren die Felder verpachtet, der Stall wurde von Firmen genutzt. Schritt für Schritt belebte die Familie – Brigitte, ihr Mann Marcus und zwei Kinder – den Hof neu. Dazu kamen zwei Ponys, Kaninchen, Hühner, Laufenten und Bienen. Heute wachsen auf drei Feldern mit rund 2000 m² Fläche über 150 Blumenarten, davon allein 80 Sorten Dahlien. Diese Vielfalt aufzubauen erforderte viel Zeit, Wissen und Leidenschaft.
Die moderne ‚Blumenindustrie‘
Die herkömmlichen Marktstrategien der ‚Blumenindustrie‘ sind durchaus problematisch: Hormonbehandlung der Blumen, damit sie die lange Reise überstehen, Kinderarbeit in den ärmsten Ländern der Welt, Insektizide und Pflanzenschutzmittel, die bei uns nicht zugelassen wären, aber auf diesem Weg mit den Blumen und ihrem Blumenwasser zu uns gelangen, bei uns entsorgt werden und so auch unsere Erde vergiften.
Es ginge auch anders
Im Unterschied dazu sind die Prinzipien ihres Anbaus konsequent ökologisch. Bei Brigitte wird mit Regenwasser aus der Zisterne gegossen, gedüngt wird mit dem Pferdemist der beiden Hof-Ponys, mit Kräuterjauche, Mulch und Kompost. Auf jegliche Pflanzenschutzmittel wird verzichtet. Schnecken werden per Hand „abgeklaubt“ und durch die Laufenten in Schach gehalten. Ihre Blumen sind frei von Giften und daher auch ideal als Dekoration für Torten oder für Festlichkeiten wie Hochzeiten und Taufen. Blumen sollen „wild gewachsen“ sein – im Rhythmus der Jahreszeiten. Es gibt keine Rosen im Februar, keine Frühlingsblumen im Herbst. Ihr Name und ihr Label „wild-gewachsen“ steht für Saisonalität, Regionalität und Nachhaltigkeit.
Brigitte ist fast täglich auf den Feldern und wird von zwei Mitarbeiterinnen unterstützt. Für die frühe Anzucht nutzt Brigitte ein kleines ungeheiztes Glashaus. Die Blütezeit reicht etwa von Mitte April bis Ende Oktober. Für den Winter trocknet sie am ehemaligen Heuboden Blumen und Samenstände für Gestecke, Kränze und anderen Objekte. Heu vom Feld wird nicht nur an die Ponys verfüttert, sondern in Workshops auch zu Kunstwerken verarbeitet.
Der gesamte Hof ist biozertifiziert – das gilt für Blumen ebenso wie für die Eier und den Honig, den Marcus aus seiner Imkerei gewinnt. Zusätzlich ist der Betrieb mit dem „Salzburg Land Herkunftssiegel“ ausgezeichnet. Seit 2020 ist Brigitte Mitglied der europaweiten Slowflower-Bewegung. 2025 ist sie sogar Biodiversitätsbotschafterin und erzählt ein Jahr lang ihre Geschichte als Beispiel für nachhaltigen Schnittblumenanbau.
Workshops und Feldführungen sind ein wichtiger Bestandteil ihres Angebots – auch für Schulen. Jeden Samstag von 9:00 bis 11:30 Uhr ist der Hofladen geöffnet, zudem kann man ein Bio-Blumenabo mit einem monatlichen Strauß buchen. Besucher erfahren in Führungen alles über Anbau, Ernte, Fruchtfolge, Dahlienpflege und mehr.
Ein Highlight des Besuchs war der Rundgang über das Hofgelände: Brigitte zeigte uns die mit Schlacken verzierte Hausfassade – gestaltet von Bautrupps aus Italien und Serbien, welche die Fassade auch unterschiedlich ausgestalteten – und erzählte vom Hausbrunnen, der dank eines Brunnenbauers aus dem Lungau heute Trinkwasser liefert. Auch die Geschichte des Schimmels in den Mauern und der schwierigen Renovierung mit atmungsaktiven Materialien bleibt uns in Erinnerung. Danach gingen wir über die Blumenfelder und Brigitte erzählte darüber, wie diese abwechselnd bepflanzt werden.
Resümee
Wir haben einen Nachmittag erlebt, der eindrucksvoll zeigt, wie altes Wissen und moderne Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Brigitte und Marcus Dörner leben und arbeiten mit Respekt vor der Natur, mit viel Engagement und Lebensfreude – und schenken nicht nur Insekten, sondern auch Menschen einen besonderen Ort.
Vielen herzlichen Dank, Brigitte und Marcus!












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