Zunächst stellt sich die Frage, ob wir unsere Bienen überhaupt füttern sollen bzw. müssen. Dies ist eigentlich immer mit Ja zu beantworten, da der von den Bienen gesammelte Honig oftmals nicht ausreicht, damit ein Bienenvolk den Winter überlebt, und auch nicht immer für eine Überwinterung optimal ist (Waldhonig ist für die Bienen schwer verdaulich). Außerdem möchten Imkerinnen und Imker für ihre Bemühungen auch mit etwas Honig entlohnt werden. Deshalb wird der wertvolle Honig durch günstigeres Zuckerwasser bzw. günstigeres Bienenfutter ersetzt oder ergänzt. Da Honig aber auch für die Bienen wichtige Inhaltsstoffe enthält, belassen die Imkerinnen und Imker oftmals einen Teil des Honigs im Stock.

Wann muss gefüttert werden?

Sobald der Futtervorrat zur Neige geht, werden Bienenvölker unruhig. Ein Wirtschaftsvolk sollte stets über einen Restfuttervorrat von 5 bis 10 kg verfügen, um auch Schlechtwetterphasen gut überstehen zu können. Geht der Futtervorrat in einem Bienenvolk zur Neige, starten die Bienen ihr Notprogramm. Sie reduzieren ihre Bruttätigkeit, räumen die Brut aus den Zellen aus oder trennen sich von ihren männlichen Artgenossen. Die Drohnen müssen dann oftmals am Rande der Beute auf bessere Zeiten hoffen oder ihrem Lebensende entgegensehen. Für den Imker sind solche Situationen jedoch bereits eine Katastrophe, da diese geschwächten Völker viel Pflege benötigen, um in der aktuellen Saison überhaupt noch eine tragende Rolle spielen zu können.

Jedes Bienenvolk ist aber unterschiedlich und auch die verschiedenen Bienenrassen (Dunkle Biene, Carnica-Biene) bzw. Hybridbienen (Buckfast-Biene) zeigen unterschiedliches Verhalten. So ist beispielsweise bei Carnica-Völkern zu beobachten, dass diese gerne einen Futterkranz am Rand der Rähmchen behalten, während Buckfast-Bienen ihr Brutnest meist bis zum Rand der Rähmchen ausdehnen. Völker von Carnica-Bienen und der Dunklen-Biene überwintern in kleineren Völkern als Buckfast-Bienen, haben längere Brutpausen und benötigen dadurch auch weniger Winterfutter.

Dies gilt es alles bei der Honigernte und beim anschließenden Einfüttern zu berücksichtigen.

Grundsätzlich sollte immer abends gefüttert werden, um Räuberei zwischen den einzelnen Bienenstöcken zu vermeiden. Eine Fütterung von oben ist ebenfalls zu bevorzugen. Mit entsprechendem Futtergeschirr, das sich auch wieder gut reinigen lässt, kann dies sehr hygienisch erfolgen, ohne die Bienenvölker selbst stören zu müssen.

Das Einfüttern der Bienenvölker sollte bis Mitte/Ende September, bei Einraumvölkern bis Anfang Oktober, abgeschlossen sein, damit anschließend möglichst ungestört langlebige Winterbienen mit einem gut ausgebildeten Fett-Eiweißkörper entstehen können. Maßgeblich für die Langlebigkeit der Bienen ist, ob sie sich ihr ganzes Leben lang um die Brutpflege und das Futtersammeln kümmern oder nur wenige Arbeiten im Stock ausführen mussten. In letzterem Fall bleiben ihre Fettreserven erhalten und ihre Lebensdauer wird verlängert (6 Monate im Vergleich zu 4-5 Wochen).

Welche Menge an Winterfutter wird benötigt?

Das Futter im Bienenstock sollte jedenfalls bis zum kommenden April ausreichen (zu Beginn der Tracht sollte noch der Mindestvorrat von 5 kg Futter vorhanden sein). Ob es ausreichend sein wird, ist unter anderem von der Volksstärke, der Betriebsweise, der jeweiligen Bienenrasse und den örtlichen Gegebenheiten abhängig. Hier ist das Fingerspitzengefühl des Imkers gefragt. Er kontrolliert im Herbst die Futtervorräte und greift gegebenenfalls noch steuernd ein.

In Salzburg dürfen Imker mit zweizargigem Salzburger-Einheitsmaß einen Futterbedarf von 25 kg/Volk für Carnica-Völker bei der Futterbestellung einkalkulieren, um selbst lange Winter ohne Notfütterung im Frühjahr überstehen zu können bzw. um auch kleine Reserven vorrätig zu haben.

Zusätzliche Trachtquellen im Spätsommer oder Herbst können dazu führen, dass weniger gefüttert werden muss als erwartet. Hier können insbesondere Felder mit Phacelia, die gerne als Gründüngungspflanze eingesetzt wird und je nach Aussaatzeit von Juni bis zum ersten Frost blüht, sowie Neophyten wie das drüsige Springkraut, der japanische Staudenknöterich und die kanadische Goldrute für spätes Futter im Jahr sorgen. Auch die Tanne kann noch mit einer späten Waldtracht überraschen. Auch wenn Neophyten kritisch betrachtet und deren Ausbreitung verhindert werden muss (siehe „Die Bedrohung durch gebietsfremde Arten nimmt zu„), sind diese natürlichen Trachtquellen unseren menschlichen Futterlösungen vorzuziehen.

Welches Futter ist geeignet?

Grundsätzlich ist der von den Bienen selbst eingetragene Honig für die Bienen das beste Futter. Es gibt aber Ausnahmen, wo der von den Bienen eingetragene Honig von den Bienen nicht gut verdaut werden kann. Dies trifft insbesondere auf Waldhonig zu. Ist der Darm zu sehr belastet, müssen die Bienen dann im Winter im Stock abkoten (Ruhr).

Folgende Futtervarianten stehen zur Auwahl:

  • Zuckerlösungen
  • Invertfutter
  • Futterteig

Zuckerlösungen

Zuckerlösungen, auch Läuterzucker genannt, entstehen, wenn Kristallzucker (Saccharose) in Wasser aufgelöst wird. Durch langes Umrühren können die Zuckerkristalle weitgehend im Wasser aufgelöst werden. Durch zusätzliches Erhitzen (max. 70 Grad Celsius) entsteht eine klare, homogene Flüssigkeit. Wird aber zu stark erhitzt oder die Zuckerlösung zu lange gelagert, steigt der HMF-Wert (Hydroxymethylfurfural), welcher ja bekanntlich für die Bienen schädlich ist.

Unterschiedliche Mischungsverhältnisse von Zuckerlösungen sind als Bienenfutter gebräuchlich. Eine dünne Zuckerwasser-Mischung im Verhältnis 1:1 (ein Teil Zucker auf einen Teil Wasser) und eine dickere Zuckerwasser-Mischung im Verhältnis 3:2 (drei Teile Zucker auf zwei Teile Wasser).

  • 1:1 (1 kg Zucker, 1 Liter Wasser) -> 1,6 Liter Zuckerwasser -> 1,2 kg fertiges Winterfutter
  • 3:2 (1 kg Zucker, 0,7 Liter Wasser) -> 1,3 Liter Zuckerwasser -> 1,2 kg fertiges Winterfutter

Je dünner die Zuckerwasser-Mischung ist, umso länger brauchen die Bienen um das Futter abzunehmen und um dem Futter das Wasser zu entziehen. Dünne Zuckerwasser-Mischungen werden auch als Reizfütterung bezeichnet, da die Bienen in Folge mehr bauen und mehr Brut anlegen. Reizfütterungen, die auch als Stimulationsfütterungen bezeichnet werden, finden eigentlich nur im Frühjahr und Frühsommer statt. In Imkerkreisen ist ihre Sinnhaftigkeit jedoch umstritten, da sie sehr unnatürliche Trachtverhältnisse vortäuschen und die Bienenvölker zu Zeitpunkten stark anwachsen lassen, zu denen die Natur noch nicht so weit fortgeschritten ist.
Je dünner die Zuckerlösung ist, umso höher ist aber auch die Gefahr, dass die Zuckerlösung verdirbt. Durch das Milchsäurebakterium Leuconostoc mesenteriodes („Froschlaich-Bakterium“) wird die Zuckerlösung in eine geleeartige Masse mit schleimigen Fäden und Wolken verwandelt, welche in Folge von den Bienen nicht mehr abgenommen wird. Je dünner gefüttert wird, umso kleiner müssen die Futtermengen sein.

Selbst hergestellte Zuckerlösungen müssen möglichst kühl gelagert und in kleinen Mengen frisch verfüttert werden.

Den für die Herstellung der Zuckerlösung benötigten Zucker (nur weißen Kristallzucker verwenden) sollte man am besten über den Salzburger Imkerhof, ein Lagerhaus oder einen Großhändler (z.B.: BioService Zach) beziehen. Supermärkte dürfen nur haushaltsübliche Mengen an Zucker abgeben. Dabei können Supermärkte selbst entscheiden, wie viele Produktexemplare sie als haushaltsübliche Menge definieren. Wenn man Zucker in Bio-Qualität erwerben möchte, schränkt dies die möglichen Bestellquellen weiter ein.  Bei Bio-Zucker sollte man natürlich auf regionalen Bio-Rübenzucker achten. So mancher Imker hat bei einer Bio-Bestellung schon Rohrzucker aus Übersee erhalten.

Imker, die ihre Bienen zusätzlich verwöhnen möchten, fügen zum Anrühren der Zuckerlösung auch einen Anteil Bienentee (nach Guido Sklenar, bekannter österreichischer Carnica-Züchter) und eine kleine Menge unjodiertes Natursalz hinzu.

Invertfutter

Wird einer Zuckerlösung zusätzlich Zitronensaft oder Weinsäure beigemengt, zerfällt die Saccharose in ihre Bestandteile Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker). Diesen Vorgang nennt man Inversion (die Drehrichtung des polarisierten Lichts durch die Lösung kehrt sich um). Der entstehende Invertzucker bleibt in Folge süßer und flüssiger als normaler Zucker. Dieser Vorgang findet im Bienenstock auf natürliche Weise statt: Die Bienen mischen dem gesammelten Nektar das Enzym Invertase bei und verwandeln ihn so in Honig. Bei Verwendung von Invertfutter brauchen die Bienen kaum Enzymarbeit zu leisten und sparen dadurch Energie.
Invertfutter ist durch die Inversion aber noch anfälliger für HMF-Bildung. Bei Invertfutter sollte man stets auf industriell hergestelltes Bienenfutter (APIinvert, Ambrosia, etc.) zurückgreifen, da dessen Hersteller besonders darauf achten, dass der HMF-Wert extrem niedrig bleibt (unter 10 mg/kg), keine übermäßige Säure für die Herstellung verwendet wird, es bienenschonend und lagerstabil ist. Bei der eigenen Herstellung von Invertfutter ohne Enzyme würden Abbauprodukte entstehen, die den Bienen schaden. Außerdem wird vermutlich kein honigähnlicher pH-Wert erreicht werden.

Dadurch ist dieses Invertfutter natürlich auch teurer als selbstgemachte Zuckerlösungen.

  • 14 kg APIinvert Eimer -> 10,2 Liter Flüssigkeit
  • 1 Liter APIinvert -> 1 Liter fertiges Winterfutter

Seit ein paar Jahren gibt es als Alternative zu fertigem Invertfutter auch die Möglichkeit, durch Hinzufügen einer Lösung (InvertoFix, auch in BioQualität erhältlich) zu einer Zuckerlösung (im Verhältnis 1:1 oder 3:2) selbst Invertfutter herzustellen.

Futterteig

Kleine Begattungseinheiten (Apideas, Miniplus) füttert man am besten mit Futterteig, welchen man von oben auflegt. Damit verhindert man Räuberei. Sobald die Völker in diesen kleinen Einheiten wachsen, kann dann auch flüssig gefüttert werden um den Ausbau der Mittelwände zu beschleunigen. Im Gegensatz zu flüssigem Futter hemmt Futterteig den Bautrieb. Egal ob dieser im Frühjahr oder im Herbst auf die Bienenvölker aufgelegt wird. Im Herbst sollte man bei der Verwendung von Futterteig auch darauf achten, dass die Wespen nicht angelockt werden.

Am besten funktioniert Futterteig, welcher aus Honig und Staubzucker selbst hergestellt wurde. Da nur sehr wenige Imker über ausreichend starke Küchenhilfsmittel (Teigknetmaschinen) verfügen, ist natürlich auch die Verwendung von fertigen Futterteigen (z.B.: APIfonda von Südzucker) möglich. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass diese so natürlich wie möglich sind. Ob Futterteige mit Pollenzusätzen (aus fremden Ländern) oder anderen Beimengungen eingesetzt werden, muss jeder Imker für sich selbst und seine Bienen entscheiden.

Wenn mit Futterteig gefüttert wird, sollte auch darauf geachtet werden, dass die Bienen Wasser aus einer nahegelegenen Wasserstelle holen können.

Resümee

Unmittelbar nach der Honigernte muss eingefüttert werden, um bis Ende September/Anfang Oktober einen ausreichenden Wintervorrat zu gewährleisten. Ob man Invertfutter oder selbst hergestellte Zuckerlösungen verwendet, ist letztlich eine Frage der persönlichen Vorlieben und der Kosten, die man zu tragen bereit ist. Auch das Mischungsverhältnis und die genaue Zusammensetzung der Zuckerlösung sind variabel (1:1, 3:2, mit oder ohne Bienentee, erwärmt oder kalt gerührt). Es ist wichtig, dass sich die Imkerinnen und Imker rechtzeitig um eine ausreichende Futterversorgung ihrer Bienen kümmern. So können sie Räuberei ihrer Bienen bei Nachbarstandorten verhindern. Kein Imker möchte zusehen, wie seine mühsam aufgefütterten Bienenvölker wieder ausgeraubt werden. Das rechtzeitige Einfüttern ist auch notwendig, damit die Bienen genügend Zeit haben, das Futter in der von ihnen benötigten und gewünschten Form einzulagern.

Imker sollten bei fertigen Futterlösungen stets darauf achten, wo diese Produkte hergestellt werden und welche Inhaltsstoffe verwendet werden. Auch wenn die Zubereitung einer Zuckerlösung etwas aufwendiger ist, kann damit eine möglichst natürliche Fütterung mit heimischen Produkten (auch in Bio-Qualität) erreicht werden. Zudem wird verhindert, dass unsere Bienen mit unerwünschten Zusatzstoffen (Haltbarkeitsmitteln etc.) in Berührung kommen.

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