Zoom-Meeting über das Chronische Bienenparalysevirus (CBPV) am 12. Februar 2025
Autor: Bernd Meierhofer
Am 12. Februar 2025 fand ein informatives Zoom-Meeting zum Thema Chronischer Bienenparalysevirus (CBPV) statt. Die Veranstaltung wurde von der Initiative Imkerinnen für Imkerinnen des österreichischen Imkerbundes (ÖIB) organisiert. Der ÖIB verfolgt mit dieser Initiative das Ziel den Anteil an Imkerinnen und Funktionärinnen zu erhöhen. Etwa 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – vermutlich überwiegend Imkerinnen und Imker – folgten der Einladung.
Einleitende Worte vom Präsidenten des Österreichischen Imkerbundes
Zu Beginn begrüßte der Präsident des Österreichischen Imkerbundes, Herr Ing. Reinhard Hetzenauer, die Teilnehmer und betonte, dass Frau Daniela Schmidt, Ansprechpartnerin für Frauen in der Imkerei, mit dem heutigen CBPV-Vortrag ein besonders aktuelles Problem der Imkerei ausgewählt habe.
Vortrag von Dr. Hemma Köglberger
Anschließend übernahm Frau Dr. Hemma Köglberger von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) das Wort und gab einen detaillierten Überblick über die biologischen Grundlagen des CBPV.
CBPV-Grundlagen
Bisher sind ca. 23 unterschiedliche Bienenviren beschrieben. Diese sind nur unter dem Elektronenmikroskop sichtbar. Einige der Bienenviren sind bereits über PCR-Tests nachweisbar. Während die übrigen Viren sechseckige, symmetrische Partikel sind, ist der CBPV-Virus sehr unregelmäßig und keiner Familie zuzuordnen.
Frau Dr. Köglberger erläuterte die Übertragungswege, Symptome und Diagnosemöglichkeiten. Besonders besorgniserregend sei, dass das Virus oft unbemerkt in Völkern vorhanden sei (5-10% aller Bienenvölker sind CBPV-positiv) und erst in Stresssituationen ausbreche. Ab Erreichen einer Schadensschwelle von 100 Millionen Kopien/Biene gilt ein Bienenvolk als krank. Bei 30. Milliarden Kopien/Biene zeigt ein Bienenvolk dann bereits deutliche Krankheitssymptome. Die Beobachtungen zeigen, dass die CBPV-Fälle in der letzten Zeit angestiegen sind. Die Ursachen hierfür sind noch unklar.
CBPV befällt die erwachsene Biene und wird über die Oberfläche der Bienen (Kontakt zwischen den Bienen) weitergegeben. Die Varroamilbe spielt bei der CBPV-Infektion keine Rolle.
Symptome
Bei einem erkrankten Volk zeigt sich die Chronische Bienenparalyse mit zwei Hauptsymptomen: der Schwarzsucht (haarlose, schwarze und kleiner erscheinende Bienen) und der Paralyse (zitternde Bienen mit aufgeblähtem Hinterleib, Krabbler am Boden). Weitere Symptome sind ein erhöhter bzw. massenhafter Totenfall (Bienenteppich), Kämpfe am Flugloch (kranke Bienen werden attackiert), aufgedrehte Flügel (K-wings genannt) und durchfallartiges Abkoten. Leider besteht bei diesen Symptome auch Verwechslungsmöglichkeit mit anderen Bienenkrankheiten (schwarze, haarlose Bienen treten auch bei Waldtracht und Räuberei auf, ein aufgeblähter Hinterleib könnte auch eine Nosemose sein und verdrehte Flügel werden auch durch die Tracheenmilbe verursacht).
Krankheitsverlauf
Eine CBP-Erkrankung kann während der ganzen Bienensaison auftreten. Der Krankheitsverlauf reicht von Selbstheilung bis zum Tod eines Bienenvolkes bei einem sehr schweren Verlauf. Oftmals sind auch nur einzelne Völker eines Bienenstandes befallen.
Folgende Faktoren fördern den Stress der Bienen und damit den Ausbruch der Krankheit:
- Schlechtwetterperioden (enger Bienenkontakt, Futterstress)
- zu viele Bienenvölker am Stand oder im Flugkreis
- starker Varroabefall
- Weisellosigkeit
Prophylaxe
Die Bienen sollen einerseits vor CBP-Viren geschützt werden (Expositionsprophylaxe) und andererseits gegenüber den CBP-Viren gestärkt werden (Dispositionsprophylaxe). Folgende Maßnahmen gegen eine CBP-Erkrankung leiten sich daraus ab:
- gut füttern
- Varroadruck senken
- Völkeranzahl anpassen
- besseren Stand auswählen
- die erkrankten Bienen aus den Völkern bringen (z.B.: durch Einsatz der Ameisensäure, dem Fluglingsverfahren oder dem Abkehrverfahren)
Noch besser ist es aber, bereits entsprechend vorzubeugen. Vorbeugende Maßnahmen wären:
- ein bienenfreundlicher Standort (Futterversorgung, Kleinklima)
- eine an die örtlichen Ressourcen angepasste Völkerzahl
- Vermeidung von Räuberei
- Reduktion des Varroadruckes
- Vorsicht bei Zukäufen
Vortrag von Mag. Michaela Kohlbacher-Schneider
Darauf folgte der Vortrag von Frau Imkermeisterin und Wanderlehrerin Mag. Michaela Kohlbacher-Schneider, die praxisnahe Strategien zur Bekämpfung und Vorbeugung von CBPV vorstellte. Sie ging zunächst auf ihre Betriebsweise näher ein. Danach berichtete sie von ihren eigenen Erfahrungen mit CBPV-befallenen Bienenvölkern. Zusätzlich zu den Informationen von Fr. Dr. Köglberger berichtet Fr. Mag. Kohlbacher-Schneider von einem sehr ausgeprägten Putzverhalten der CBPV-erkrankten Bienen. Diese Bienen putzen sich ständig und benutzen ihren Stachel nicht mehr, wenn sie gestört werden. Als weiteren Stressfaktor für die Bienen, der dann auch zum Ausbruch der CBPV führen kann, nennt Frau Mag. Kohlbacher-Schneider Ameisen, die sich gerne in Bienenstöcken ansiedeln.
Resümee
Die Vorträge von beiden Damen waren sehr lehrreich. Ein herzliches Dankeschön an die beiden Vortragenden und an die Organisatoren des österreichische Imkerbundes. Es wäre wünschenswert, dass solche Online-Veranstaltungen öfters stattfinden. Es gibt sicher noch genügend Themen, die den Imkerinnen und Imkern unter den Nägeln brennen und für die das notwendige Wissen noch verbreitet werden muss.
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Neben ABPV ist auch Nosema ceranae dzt. ein gravierendes Problem in unserer Gegend in Aigen/Elsbethen. Bitte besonderes Augenmark darauf richten! Ich freue mich über jede dbzgl. Rückmeldung und bin bemüht, dagegen anzukämpfen.
Robert, Sachverständiger für Bienengesundheit